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Nykturie: nächtlicher Harndrang

Wenn Sie häufig nachts zur Toilette müssen, leiden Sie unter nächtlichen Harndrang, im Fachjargon „Nykturie" genannt. Die Gründe für das nächtliche Wasserlassen können vielfältig sein – ebenso wie die Behandlungsmethoden.

Inhalte

Nachts auf die Toilette – wie häufig ist normal?

Vor dem Schlafengehen auf die Toilette und dann erst wieder nach dem Aufstehen das nächste Mal Wasserlassen – im Normalfall klappt das problemlos. Denn der menschliche Körper regelt die Harnproduktion nachts herunter. Bei einem gesunden Menschen bilden die Nieren daher zwei Drittel des Urins tagsüber und nur ein Drittel nachts. Wenn Sie abends noch viel trinken, kann es durchaus sein, dass Sie nachts einmal mit voller Harnblase aufwachen und auf die Toilette müssen. [1]

Ab zwei nächtlichen Toilettengängen wird es allerdings kritisch: dann sorgen die Unterbrechungen im Schlaf dafür, dass Sie sich nicht mehr ausreichend erholen können. Das äußert sich oft tagsüber in Form von Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwierigkeiten, sich richtig zu konzentrieren. Im schlimmsten Fall kann die fehlende Erholung sogar zu Depressionen führen. Bei Älteren steigt durch die nächtlichen Toilettengänge außerdem das Risiko für einen Sturz. Wenn Sie regelmäßig mindestens zweimal nachts auf die Toilette müssen, sollte Sie Ihre Symptome unbedingt ärztlich abklären lassen. [1, 2, 3]

Nächtlicher Harndrang ist weit verbreitet

Befragungen haben ergeben, dass etwa drei Viertel aller Menschen über 70 Jahren unter nächtlichem Harndrang leiden. Männer sind dabei etwas häufiger betroffen als Frauen. Bei jüngeren Menschen müssen etwa 10–30 % mehr als einmal nächtlich zur Toilette. Vielen ist dabei jedoch gar nicht bewusst, wie stark die Nykturie ihre Lebensqualität einschränkt – und dass es eine Vielzahl an effektiven Behandlungsmöglichkeiten gegen nächtlichen Harndrang gibt. [4]

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überaktiver Blase:

Welche Ursachen kann Nykturie haben?

Nächtlicher Harndrang kann viele Ursachen haben. Zu den häufigsten gehören: [3]

  • Allgemeine Polyurie: Der Körper produziert insgesamt zu viel Harn. Dahinter kann zum Beispiel ein unerkannter Diabetes mellitus stecken, der zum vermehrten Trinken anregt.
  • Nächtliche Polyurie: Der Körper produziert nur nachts zu viel Harn. Hier kommen viele Ursachen infrage. Die häufigsten sind Herzerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus sowie ein falsches Trinkverhalten oder Schlafstörungen und Schlafapnoe.
  • Verminderte Blasenkapazität: Eine überaktive Blase führt nicht nur tagsüber, sondern auch nachts zu häufigem starken Harndrang. Auch wenn Betroffene ihre Blase nicht mehr vollständig entleeren können, kann das nächtlichen Harndrang begünstigen.

Haben Sie tagsüber keine Probleme mit zu häufigem Harndrang und liegt auch keine Schlafstörung, Herzschwäche oder ein anderer Grund für eine Nykturie vor, liegt die Ursache wahrscheinlich im Hormonhaushalt. Normalerweise sorgt das sogenannte antidiuretische Hormon, auch Vasopressin genannt, dafür, dass der Körper weniger Urin produziert. Es wird vor allem abends und nachts ausgeschüttet. Manchmal gerät dieser Rhythmus allerdings durcheinander. Dann produziert der Körper nachts genauso viel Harn wie tagsüber – und Sie müssen deswegen auch häufiger zur Toilette. [4]

Nächtlichen Harndrang und Nykturie behandeln – diese Möglichkeiten gibt es

Der erste Schritt zur Behandlung einer Nykturie ist meistens das Führen eines Miktionsprotokolls. Mit dessen Hilfe lässt sich herausfinden, warum Sie vermehrt nachts Wasserlassen müssen. Das ermöglicht Ihnen und Ihren Ärzten, die Ursache der Nykturie gezielt zu behandeln. Denn steckt hinter dem nächtlichen Harndrang eine Schlafstörung, reicht es meistens aus, diese zu behandeln. Nur wenn die Ursache der Nykturie wirklich in den Harnwegen liegt, ist der Besuch einer Praxis für Urologie nötig.

Ist die Zahl der Toilettengänge nicht nur nachts, sondern auch tagsüber erhöht, steckt dahinter wahrscheinlich eine verminderte Blasenkapazität oder eine überaktive Blase. Diese werden dann zuerst behandelt. Das geschieht zum Beispiel mit sogenannten Antimuskarinika und anderen Medikamenten. Meistens geht damit automatisch auch die Zahl der nächtlichen Toilettenbesuche zurück. Sollte das nicht der Fall sein, ist eine weiterführende Behandlung nötig. [4]

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Konservative Therapie bei Nykturie

Viel trinken ist gesund. Wenn Sie unter nächtlichem Harndrang leiden, kann es aber sinnvoll sein, die tägliche Trinkmenge zu verringern. Dabei reicht es meistens nicht aus, lediglich abends vor dem Schlafengehen weniger zu trinken. Im Rahmen eines Trinkplans können Sie Ihre gesamte Flüssigkeitsaufnahme anpassen. [5]

In Studien erwies sich bei Nykturie außerdem eine Reduktion des täglichen Salzkonsums als wirkungsvoll: Menschen, die die täglich aufgenommene Salzmenge verminderten, mussten nachts weniger häufig aufstehen, um auf die Toilette zu gehen. [6]

Medikamente gegen nächtliches Wasserlassen

Ist bei Ihnen die nächtliche Harnproduktion durch einen Mangel an Vasopressin erhöht, kann Ihr Arzt Ihnen Medikamente verschreiben. Bei Desmopressin handelt es sich um eine synthetische Variante des körpereigenen antidiuretischen Hormons. Genau wie dieses sorgt es dafür, dass Ihr Körper in der Niere mehr Wasser zurückgewinnt und weniger Harn produziert – dadurch müssen Sie nachts nicht mehr auf die Toilette. Die Tablette wird abends eingenommen. [4]

Häufig gestellte Fragen

Wie oft Wasserlassen in der Nacht ist normal?

Gerade junge und gesunde Menschen sollten nachts überhaupt nicht auf die Toilette müssen. Wenn Sie noch viel vor dem Schlafengehen trinken, kann es allerdings sein, dass Sie nachts mal aufwachen. Wer regelmäßig mehr als einmal pro Nacht auf die Toilette muss, sollte das von einem Arzt abklären lassen. Bereits bei zwei nächtlichen Unterbrechungen leidet die Schlafqualität erheblich und das Risiko für Folgeerkrankungen steigt.

Was verursacht Nykturie?

Nächtlicher Harndrang kann viele Ursachen haben. Wer unter einer überaktiven Blase leidet, seine Harnblase nicht mehr vollständig entleeren kann oder eine eingeschränkte Blasenkapazität hat, muss wahrscheinlich auch nachts häufiger zur Toilette. Auch eine erhöhte Harnproduktion durch einen bisher unentdeckten Diabetes oder Schlafstörungen können nächtlichen Harndrang verursachen. Darüber hinaus können Störungen im Hormonhaushalt dazu führen, dass der Körper nachts zu viel Urin produziert.

Was kann man gegen Nykturie tun?

Als Erstes sollten Sie die Ursache für den nächtlichen Harndrang ärztlich abklären lassen. Erst wenn klar ist, warum Sie unter Nykturie leiden, ist eine angepasste Therapie möglich. Manchmal reicht es schon, weniger zu trinken und den Salzkonsum einzuschränken. In anderen Fällen müssen Sie Medikamente einnehmen, damit Hormonhaushalt und Harntrakt wieder richtig funktionieren. Ist die Nykturie das Resultat einer Verengung der Harnröhre oder einer verkleinerten Harnblase, kann sogar eine Operation nötig sein.

Quellen

[1] https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Gegen-naechtlichen-Harndrang-laesst-sich-was-tun-317941.html
[2] https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Nykturie-ist-oft-ein-Alarmsignal-304667.html
[3] Primus, G., Madersbacher, H., Elnekheli, M., Hanzal, E., Heidler, H., Böhmer, F., … & Klingler, C. (2006). Differentialdiagnose und Therapie der Nykturie-Konsensusstatement. Journal für Urologie und Urogynäkologie, 13(1), 21-27. https://www.kup.at/kup/pdf/5671.pdf
[4] Bschleipfer, T., Karl, I. Nykturie – durch Behandlung die Lebensqualität steigern. J. Urol. Urogynäkol. AT 26, 121–125 (2019). https://doi.org/10.1007/s41972-019-00085-3
[5]Starostzik, C. (2014). Trinkplan kann Entlastung schaffen. Uro-News, 18(3), 8–8. doi:10.1007/s00092-014-0473-4 
[6] Schmale, I. (2017). Änderungen im Lebensstil können Menschen mit Nykturie helfen. Uro-News, 21(5), 11–11. doi:10.1007/s00092-017-1473-y