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Inkontinenz nach Geburt: was nach der Entbindung hilft 

Ob wenige Tröpfchen beim Niesen und Husten oder Urin, der schwallartig fließt: Nach einer Geburt leiden einige Frauen unter einer Harninkontinenz. Sie kann nach der Entbindung zur Belastung werden.
Frau mit Baby bei Ärztin

Inhalte

Blasenschwäche nach Geburt: Was ist normal?

Eine Blasenschwäche kann nicht nur ältere, sondern auch junge Frauen im gebärfähigen Alter treffen. Besonders häufig tritt diese nach einer Entbindung auf: wird die Beckenbodenmuskulatur stark beansprucht, kann es zu einem unkontrollierten Urinverlust kommen. Das macht sich zum Beispiel beim Springen, Heben schwerer Dinge oder Niesen bemerkbar. Manchmal fließt der Urin auch ohne körperliche Betätigung. 

Das bedeutet: eine Harninkontinenz nach der Geburt ist keine Seltenheit. Sie kann jede Frau mit einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur treffen. Häufiger tritt sie – im Vergleich zu einer Geburt per Kaiserschnitt – nach einer vaginalen Entbindung auf. Je länger die Geburtsphase dauert, desto höher ist das Risiko einer Harninkontinenz. [1]

Inkontinenz nach Geburt abklären lassen

Nur wenige Frauen trauen sich, eine Blasenschwäche nach der Geburt bei körperlichen Nachuntersuchungen anzusprechen. Auch bei einer schweren Harninkontinenz bleibt das Thema häufig ein Tabu. Rund 70 % der Mütter verschweigen, dass sie Urin unkontrolliert verlieren[2]. Das ist nicht unproblematisch – denn eine zeitnahe Behandlung ist wichtig, um die Inkontinenz erfolgreich bekämpfen zu können. 

Eine Basisdiagnostik hilft dabei, eine Harninkontinenz festzustellen:

  • Der Harn wird untersucht.
  • Beckenboden und Organe werden mittels Tastuntersuchung beurteilt. 
  • Es kann ein Hustentest mit einer vollen Blase stattfinden. 
  • Es erfolgt eine Ultraschalluntersuchung, um Restharn festzustellen. 

Risikofaktoren: Warum kann es nach einer Geburt zur Blasenschwäche kommen?

Eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur ist als Hauptauslöser für eine Harninkontinenz nach der Geburt zu erachten. Weitere Einflussfaktoren können eine Blasenschwäche begünstigen. Ein Überblick über die wichtigsten Risikofaktoren[3, 4]: 

  • eine stärkere Gewichtszunahme während bestehender Schwangerschaft
  • Diabetes 
  • ein höheres Gewicht des Babys
  • eine Harninkontinenz, die bereits vor der Schwangerschaft bestand 
  • ein erhöhter Body-Mass-Index vor der Geburt 
  • eine längere Geburt (Austreibungsphase)
  • ein höheres Alter (Risikoschwangerschaft)

Behandlungsmöglichkeiten: Was kann man bei einer Harninkontinenz nach der Geburt tun?

Die Rückbildungsphase nach der Geburt ist wichtig, um die körperlichen Veränderungen nach der Entbindung langsam „rückgängig“ zu machen. Bei Rückbildungsübungen werden Körper und vor allem der Beckenboden trainiert. Das hilft, eine Inkontinenz nach einer Geburt zu bekämpfen. 

Tipp: Achten Sie darauf, Ihre Beckenbodenmuskulatur während eines Trainings nicht zu sehr zu strapazieren. Manchmal führt intensiver Sport in Kombination mit einer zu frühen Belastung des Beckenbodens dazu, dass sich die Blasenschwäche zusätzlich verstärkt. [5]

Neben einem Beckenbodentraining und Übungen, etwa im Rahmen einer professionellen Physiotherapie oder mit der Hilfe einer Hebamme, kann es helfen, überschüssige Kilos langsam abzubauen. So entlasten Sie Ihren Beckenboden. Achten Sie jedoch darauf, keine radikalen Diäten durchzuführen. Denn diese versprechen lediglich kurzfristige Ergebnisse. Besser: entscheiden Sie sich für eine langsame Verhaltensveränderung. So erzielen Sie langfristige Ergebnisse. Zudem fühlen Sie sich mit einer ausgewogenen Ernährung, zu der auch mal ein Stück Schokolade gehört, insgesamt wacher, fitter und wohler – und Sie müssen nicht radikal verzichten. 

Übrigens: Um die Blase im Alltag zu entlasten und den Urinverlust zu verringern, sollten Sie Ihren Beckenboden etwas schonen. Vermeiden Sie körperlichen Stress sowie Getränke, die den Harn treiben. Dazu gehört zum Beispiel Kaffee.

Vorbeugung: Was kann ich vor der Geburt tun? 

Wenn Sie schwanger sind, wird Ihr Körper sich verändern. Auf diese Veränderungen, die auch zu einer Inkontinenz führen können, können Sie sich vorbereiten. Wir haben einige Tipps für Sie zusammengestellt: 

1. Beckenbodenübungen im Alltag integrieren

Bereits vor der Geburt können Sie Ihren Körper auf die Entbindung vorbereiten und die Muskulatur, besonders die des Beckenbodens, stärken. Das bedeutet: machen Sie entsprechende Übungen zum Teil Ihrer Alltagsroutine. Beachten Sie: nicht jedes Training erleichtert die Geburt. Ein starker Beckenboden kann die Entbindung auch erschweren. Informationen dazu erhalten Sie z. B. in einem Geburtsvorbereitungskurs.

2. Richtig urinieren 

Wussten Sie, dass Sie die Blasenwand überdehnen können, wenn Sie zu lange mit dem Urinieren warten? Achten Sie daher grundsätzlich darauf, den Toilettengang rechtzeitig zu erledigen. Auch durch starkes Pressen beim Stuhlgang strapazieren Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur. Deshalb gilt es, ein zu intensives Pressen während des Toilettengangs  zu vermeiden. 

3. Nicht jede Frau weiß, wo ihr Beckenboden liegt – finden Sie es heraus 

Den Beckenboden zu spüren, ist eine Herausforderung. Physiotherapie samt Tastuntersuchung können helfen, ein Bewusstsein für diesen Bereich zu entwickeln. Auch bei Ihrer nächsten gynäkologischen Untersuchung können Sie im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung gezielt nach Ihrem Beckenboden auf dem Monitor fragen. Ein Bewusstsein für den eigenen Beckenboden zu entwickeln, kann Ihnen dabei helfen, ihn zu spüren und besser zu stärken. 

4. Übergewicht reduzieren

Überhöhtes Gewicht kann Harninkontinenz begünstigen, eine Gewichtsreduktion ist anzustreben. Aber: Verzichten Sie unbedingt darauf, Abnehmversuche zu unternehmen, während Sie schwanger sind. 

Crashdiäten können emotional aufwühlend sein und psychischen Stress auslösen. Achten Sie auf eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung.

5. Den Körper richtig belasten

(Schweres) Heben erfolgt aus den Kniegelenken. Der Beckenboden und auch die Wirbelsäule werden so geschont.

Häufig gestellte Fragen

Was tun gegen Inkontinenz nach Geburt?

Physiotherapie hilft, den Beckenboden nach der Geburt wieder fit zu machen und eine Inkontinenz zu bekämpfen. Eine Ernährungsumstellung sowie eine moderate Gewichtsreduktion tragen ebenfalls dazu bei, die Blasenschwäche in den Griff zu bekommen. 

Wann muss ich eine Blasenschwäche nach der Geburt ärztlich abklären? 

Auch wenn es für viele Frauen ein mit Scham besetztes Thema ist: warten Sie nicht zu lange. Es gilt, eine Inkontinenz nach der Geburt zeitnah abzuklären, um die Chancen für einen Behandlungserfolg zu steigern. Lassen Sie sich deshalb rechtzeitig untersuchen.

Was sind Risikofaktoren für eine Inkontinenz nach Geburt?

Nach aktuellem Forschungsstand können mehrere Einflussfaktoren eine Blasenschwäche nach der Geburt begünstigen. Unter anderem: Übergewicht, die Überbelastung von (Beckenboden-)Muskeln und Bindegewebe während der Entbindung oder etwa eine Risikoschwangerschaft im höheren Lebensalter.

Quellen

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30561480/ 
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25039427/ 
[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32805080/ 
[4] https://link.springer.com/article/10.1007/s43032-020-00254-y  
[5] https://academic.oup.com/ptj/article/100/9/1681/5828397?login=false